Mongolei – quer durch die Steppe

17. – 31.05.2019

Ursprünglich war die Mongolei auf unserer Reise gar nicht eingeplant, umso mehr freuen wir uns nach China auf die weiten, einsamen Steppen und die Wüste Gobi. Zuerst geht’s nach Ulan Bator das Transitvisum für Russland beantragen. Da wir von unterwegs kein normales Touristenvisum für Russland einholen konnten, bleibt uns jetzt nur diese Chance um durch Russland nach Kasachstan zu gelangen. Die Hauptstadt ist nicht besonders attraktiv und wir sind froh, nach ein paar Tagen wieder Richtung Süden in die Natur hinaus zu fahren. Nach einem Abstecher zum Yolyn Am Canyon, welcher zu dieser Jahreszeit noch fast komplett mit einer Eisschicht bedeckt ist, fahren wir Richtung Gobi Wüste zu den „Singenden Dünen“ Khongoryn Els. Unterwegs stossen wir zufällig auf ein Pferderennen mit Kindern, anfangs wissen wir nicht genau, was die vielen Autos auf dem Feld machen, doch plötzlich erscheinen am Horizont Kinder auf ihren Pferden. Bei der Siegerehrung wird nicht etwa das Kind, sondern das Pferd gefeiert. Im Land des Dschingis Khans läuft eben alles etwas anders. Die Nomaden sind zwar auch mit Pferden unterwegs, aber noch viel öfters sieht man sie auf ihren Motorrädern durch die Steppe ihren Herden hinterher flitzen. Den Weg zu den Dünen finden wir erst im zweiten Anlauf, dafür treffen wir auf unserem Umweg auf unglaublich viele Kamele, wilde Pferde, Kühe, Schafe und Ziegen, die sind einfach überall. Auch der kalte Winter hinterlässt seine Spuren, überall liegen tote Tiere oder Skelette, die sammelt hier nämlich niemand ein – sehr zur Freude der Geier. Nach einer erholsamen Nacht an einem tollen Campingspot – wild campen darf man in der Mongolei fast überall – finden wir auch den richtigen Weg zu den Wanderdünen. Diese erstrecken sich in einem Tal auf über 180km Länge durch die Wüste und sind beeindruckend schön. Nach ein paar Tagen in der Wildnis fahren wir wieder hoch nach Ulan Bator um unser 5-Tages-Transitvisum abzuholen. Das klappt zwar bestens, aber durch einen Fehler unsererseits müssen wir nun bereits am 31. Mai ausreisen, da wir spätestens am 4. Juni wieder aus Russland raus müssen. Wir hatten gedacht, das Ein- und Ausreisedatum frei bestimmen zu können, doch das ist leider nicht der Fall. Um nach Ölgii in den Westen zu gelangen gibt es drei Routen, wir entscheiden uns, zuerst die mittlere zu nehmen und dann über die Nordroute nach Ölgii zu fahren. In Charchorin besuchen wir das Kloster Erden Dsuu und begeben uns dann zum Terkhiin Tsagaan Nur See um dort den Vulkankrater „Khorgo“ zu besichtigen. Weil es nun bitterkalt und regnerisch ist, entscheiden wir uns diesmal in einem Ger – einer mongolischen Jurte – zu übernachten. Kuschelig warm durch den Ofen in der Mitte schlafen wir wunderbar und es gibt nebenan sogar eine warme Dusche und Toiletten – was für ein Luxus mitten im Nichts. Am nächsten Tag auf dem Weg zum Vulkan treffen wir auf drei deutsche Overlander in einem Iveco Truck und mehrere Neuseeländer die nach London unterwegs sind. Es wimmelt in der Mongolei plötzlich nur so von Overlandern, wir treffen eine Familie aus Schweden, ein Ehepaar aus Zürich und zwei Luzerner, die auf dem Weg nach Australien sind. Die letzten paar hundert Kilometer fahren wir nur noch offroad durch die Steppe, durchqueren zwei Flüsse und dann geht’s durch die Berge Richtung Grenze.

 

China – Chengdu nach Erenhot

06.05. – 17.05.2019

Nach ein paar erholsamen Tagen in Chengdu geht die Reise weiter Richtung Mongolei. Das Programm ist straff und die Tage lang, dennoch geniessen wir die Fahrt durch vielen Berge, die Landwirtschaftszonen und den überdimensionierten Retortenstädte. Nachdem wir unserer Reisebegleiterin mehrmals versichert haben, dass wir wirklich nicht jede einzelne Sehenswürdigkeit besuchen wollen – das würde einfach unser Auffassungsvermögen sprengen – sind wir etwas entspannter. Dennoch gibt’s auf dem Weg in den Norden viel Kultur, schöne Landschaften und vor allem unglaublich offene Chinesen. Egal wo wir sind, alle wollen wissen woher wir sind und vor allem wollen alle ein Foto mit uns machen. Wir fühlen uns wie kleine Filmstars, es wird geknipst und geknipst und geknipst. Die Highlights sind die spektakuläre Wanderung durch den Jianmenguan National Forest Park, die antiken Städte Pingyao, Zhaohua, Xi’an, die Terra Cotta Warriors und natürlich die Chinesische Mauer, welche ausserhalb der Touristenzentren mitten auf dem Land ihrem Verfall trotzt. Das „Hängende Kloster“ bei Datong hingegen war ein wunderschönes Beispiel dafür, wie es ist mit tausenden von Chinesischen Touristen unterwegs zu sein: Füdli an Füdli hoch, ein paar Fotos hier, ein paar Selfies da und dann schön brav der Reihe wieder nach unten. Am letzen Abend in Erenhot besorgen wir uns doch noch ein paar Benzinkanister, denn so ganz sicher sind wir uns nicht mit dem Tankstellenangebot in der Mongolei – vor allem in der Wüste Gobi könnte es etwas knapp werden.

 

China – von Laos nach Chengdu

22.04. – 05.05.2019

China wir kommen! Es erwarten uns 4’500 Kilometer mitten durch das riesige Land. Vorbei an hunderten von Lastwagen steht uns ein letzter staubiger Weg bevor und im zweiten Anlauf finden wir sogar den Laotischen Grenzposten. Wir erhalten den Ausreisestempel für das Auto und werden weggeschickt, wohin genau wissen wir nicht, also fahren wir ein paar Kilometer Richtung Norden durch eine riesige Baustelle, vorbei an einer halbfertig gebauten Dutyfree-Stadt und kurz danach finden wir sogar den zweiten Grenzposten. Ab dann ist Geduld gefragt, denn die Chinesen haben einen eigenartigen Fahrstil, jeder drängelt und möchte der Erste sein und zuletzt sind alle Fahrzeuge dermassen ineinander verkeilt, dass niemand mehr durchkommt. Da wir uns zwischen den beiden Grenzen befinden, interessiert das die Grenzbeamten gänzlich wenig und erst nach einer gefühlten Ewigkeit entwirrt sich das Chaos langsam. Da es Ausländern leider nicht gestattet ist China alleine mit dem Auto zu bereisen, mussten wir die ganze Reise über eine Agentur buchen. Shannon, unsere stetige Reisebegleitung für die nächsten Wochen, erwartet uns bereits auf der Chinesischen Seite, um uns mit dem Auto durch den Zoll zu bringen. Das verläuft alles sehr zivilisiert und nach kurzer Zeit sind wir ohne weitere Probleme durch. Nach dem Grenzübergang blüht uns noch eine Fahrzeugprüfung auf dem Strassenverkehrsamt und einen Sehtest für den Chinesischen Fahrausweis, beides erweist sich als sehr unkompliziert und nach kurzer Zeit ist alles erledigt. Die Reise kann nun endlich beginnen! Wir fahren gleich weiter nach Jinghong und kaum ist das Auto parkiert belagern uns schon ein paar Chinesen. Sie haben noch nie ein ausländisches Fahrzeug gesehen und sind von unserer Reise begeistert. Die Einladung zum Nachtessen müssen wir leider dankend ablehnen, wir sind einfach zu müde. Am nächsten Morgen nimmt uns Shannon mit auf den Grossmarkt. Dort besorgt sie ein paar Kilo Mangos und Bananen, diese sind hier im Süden besonders gut. Sie lässt diese von einem Kurier direkt nach Hause liefern und bezahlt das Ganze mit ihrer Smartphone-App, alles sehr praktisch und effizient. Weiter geht es über Jinggu und Nanjian nach Dali, einer wunderschönen historischen Stadt. Die Fahrt über die Berge ist beeindruckend, die Chinesen bewirtschaften jedes noch so kleine Stückchen Land. Dafür ist die Überwachung umso befremdlicher, überall, in jedem noch so kleinen Dörfchen stehen Kameras und registrieren alles was da durchkriecht, -läuft- und fährt. Auf dem Weg über die Bergstrasse nach Xichang folgt unser nächstes Erlebnis mit dem Chinesischen Fahrstil. In einem Dorf wird die Strasse gerade ausgebessert, da aber niemand den Verkehr regelt entsteht innerhalb von wenigen Minuten ein Riesenchaos. Alle drängeln nach vorne und blockieren die kleinste Lücke, am Ende stehen wir doch tatsächlich drei Stunden im Stau für 100m Baustelle – wir können’s nicht fassen! Nach ein paar Tagen Fahrt erreichen wir Chengdu, dort lassen wir uns in einem Airbnb nieder und geniessen die Stadt ohne Auto, dieses haben wir in der Toyota Garage für einen Service abgegeben. Die PR-Lady will sogleich eine kurze Story über uns schreiben, es ist das erste ausländische Auto in ihrem Betrieb und sie ist schwer beeindruckt von unserem Trip. Dann gilt es die Panda-Hauptstadt Chengdu zu erkunden! Als erstes besuchen wir natürlich die Aufzuchtstation der Pandas und trotz der vielen Touristen fühlt man sich wohl im Park. Alles ist gepflegt und grosszügig angelegt, die Pandabären können wir von überall beobachten und sogar die fotoverrückten Chinesen halten sich einigermassen zurück. Da gerade ein paar Feiertage anstehen, wird die Stadt von Millionen Touristen überschwemmt, wir verschieben unser Sightseeing der Attraktionen auf nächste Woche, diese Massen sind einfach zu viel für uns…