Griechenland – Schweiz

18.07. – 09.08.2019

Europa, ach du liebes Europa! Über drei Stunden warten wir am Zoll für die Einreise nach Griechenland. Scheinbar ist das System  ausgestiegen und niemand weiss genau, ob das heute noch was wird. Wir haben ja nun schon viele Ländergrenzen passiert und uns auch oft über die Zustände an den jeweiligen Grenzen gewundert, doch es gibt einen kleinen Unterschied, ob man eine Grenze auf über 4’000m Höhe – also quasi im Niemandsland – passiert oder die vermeintlich gut organisierte EU. Irgendwann bringen sie dann das System doch wieder zum Laufen und es geht endlich durch. Da es bereits Abend ist, steuern wir direkt einen ersten Campingplatz am Meer an und plötzlich stehen wir da, inmitten von Wohnmobilen, Familienzelten und Gartenzwergen, ein kleiner Kulturschock. Doch wie immer halten wir uns an das Positive: es gibt ordentliche Toiletten, fliessend Wasser, Moussakka und einen griechischen Salat. Dank der App iOverlander finden wir zum Glück auch in Europa ein paar wunderschöne wilde Campingspots. In Albanien sind wir zuerst ein wenig verunsichert, die ersten Strände sind schrecklich und komplett überfüllt, wir sind ja mitten in der Hochsaison. Doch dann finden wir eine kleine Traumbucht, wo wir gleich zwei Tage verbringen. Am zweiten Tag gesellen sich Simone und Marcel zu uns, sie sind von der Schweiz aus bis nach Albanien mit dem Jeep gefahren und es ist toll mit ihnen zusammen den 1. August zu feiern. Es wird allmählich immer schwieriger den Touristenmassen zu entkommen und die Möglichkeiten wild zu campieren halten sich in Grenzen, deswegen sind wir manchmal gezwungen in einem offiziellen Campingplatz zu übernachten. Was man da nicht alles antrifft: Leute, die tatsächlich ihren Bereich vollständig abdunkeln, damit sie den ganzen Tag fernsehen können, andere wiederum haben ihren kompletten Hausrat eingepackt, die Wohnwagen sind besser eingerichtet als die Hotels. Langsam geht uns ein bisschen der Enthusiasmus verloren, das Exotische und die Natur fehlen uns oder vielleicht sind wir einfach schon zu Nahe an der Schweiz und es zieht uns heim? Wir unternehmen einen kleinen Abstecher nach Mostar, Bosnien-Herzegowina, um ein wenig mehr über die Geschichte zu erfahren. Beeindruckend sind die Narben des Krieges, überall sieht man noch die Einschusslöcher in den Hausfassaden und die Menschen scheinen noch nicht wirklich über diesen schrecklichen Krieg hinweg zu sein. Wir fahren weiter nach Montenegro nach Sveti Stefan, einem hübschen kleinem Ort am Meer. Alles ist ganz ordentlich und hübsch, aber es fühlt sich alles nach Sommerferien in Südeuropa an und nicht mehr nach dem grossen Abenteuer. Nachdem wir in Montenegro unsere Pässe in einem Campingplatz vergessen haben, das 1. Mal überhaupt auf der ganzen Reise, denken wir ernsthaft darüber nach, uns definitiv auf dem Heimweg zu machen. In Kroatien treffen wir dann endgültig die Entscheidung: wir fahren heim! Über Jesolo, wo wir kurz unsere Verwandten besuchen geht’s ab in die Schweiz. Am 9. August 2019, nach genau 340 Tagen erreichen wir Zürich. Das Wetter ist toll und als erstes Dinner gibt’s natürlich einen „Wurst-Käse-Salat garniert“!

Usbekistan – Türkei

27.06. – 18.07.2019

Nachdem wir die letzten Wochen auf dem „Dach der Welt“ verbracht haben, tauchen wir in Usbekistan ein ins alte Persien. Samarkand, Buchara und Chiva erinnern uns an den Iran, nur „boomt“ hier der Tourismus und überall werden Strassen erneuert und Häuser renoviert. Manchmal übertreiben sie es dann doch ein wenig und die gute alte Stube steht plötzlich im Freien. Im Gegensatz zum Iran wirkt hier aber alles ein wenig steril und nicht sehr belebt, eher wie in einem grossen Freilichtmuseum. Deswegen bleiben wir nicht lange und fahren weiter nach Turkmenistan. Mit viel Glück haben wir ein 5-Tages-Transitvisum erhalten und begeben uns mit gemischten Gefühlen an die Grenze. Alles läuft rund, ok, es werden noch viel mehr Einträge gemacht als üblich, aber die Beamten sind allesamt sehr freundlich und vor allem wissen wir genau für was wir bezahlen müssen. Unsere Route wird genau abgefragt und die Kilometer berechnet, damit wir den Zuschlag für den Diesel bezahlen können. In Turkmenistan ist der Diesel subventioniert und Touristen müssen einen Aufpreis bezahlen. Dazu kommt noch die Autoversicherung, was aber auch in anderen Ländern üblich ist. Am Ende gibt’s noch einen GPS-Tracker, den müssen wir bei der Ausreise wieder aushändigen. Als alles schön säuberlich in die unzähligen A4-Hefte eingetragen ist können wir endlich zur Autoinspektion, doch leider ist es nach 12 Uhr und die Zöllner haben jetzt Mittagspause, was für ein Pech! Nach 1 1/2 Stunden endlich, wir werden kurz gecheckt und können einreisen. Das nächste Dorf ist nicht weit und wir versuchen ein paar Dollar in Manat zu wechseln. Wir steuern auf einen Laden zu und sagen bloss: Dollar, Manat? Und zack werden wir reingezogen. Als ich 60 Dollar zeige, fangen alle an vor Freude zu kreischen, huch, wir sind etwas verwirrt. Es kommt noch besser: sie rechnen uns folgendes vor: 60×75=4500, wir nicken, haben aber keinen blassen Schimmer was das genau soll. Denn ausgehändigt bekommen wir nur 1020 Manat und nicht 4500. Aber es sollte in etwa stimmen, denn mit dem offiziellen Wechselkurs hätten wir nur 207 Manat erhalten. Komplett verwirrt verlassen wir den Laden und wissen nicht, ob wir nun über den Tisch gezogen worden sind oder ob wir das Geschäft des Jahres gemacht haben. Aber egal, wir wollen endlich weiter zum Gas Krater von Derweze um dort zu campieren. Der Krater, auch das Tor zur Hölle genannt, brennt bereits seit 1971. Er entstand bei der Suche nach Gasvorkommen, als plötzlich der Boden unter der Bohrplattform durchbrach. Um die Freisetzung des giftigen Gases zu vermeiden wurde beschlossen es zu verbrennen, doch entgegen der ursprünglichen Hoffnung der Geologen erlosch das Feuer nicht nach ein paar Tagen, sondern es brennt nun seit 48 Jahren. Am nächsten Tag geht’s weiter in die Hauptstadt Ashgabat. Das ganze Land ist praktisch eine Wüste, doch in Ashgabat ist alles grün, weiss und goldig. Wir fahren durch prächtige Alleen, an jeder Ecke steht ein weiss-goldenes Monument und es wimmelt nur so von Polizisten und Militär. Alles wird hier auf Hochglanz poliert, auch wenn es überhaupt keine Touristen gibt. Doch wir treffen auch auf freundliche Einheimische und alles wirkt insgesamt weniger radikal als erwartet. Da uns wenig Zeit bleibt, übernachten wir noch einmal in der freien Natur, aber leider kommt in der Nacht ein Sturm auf und wir müssen unser Zelt abbrechen und im Auto übernachten. Dennoch finden wir ein paar Stunden Schlaf, bevor es weiter nach Turkmenbashy zum Hafen geht. Da unser Visum am nächsten Tag ausläuft lassen uns die Beamten in letzter Minute doch noch auf die Fähre, somit gestaltet sich auch die Ausreise als ziemlich unkompliziert: is ok, go, go, go…. Aserbaidschan zum zweiten: einfach nur ganz schrecklich! Nach der Überfahrt warten wir zuerst zwei Stunden im Hafen auf dem Schiff, dann dürfen wir endlich runter und warten nochmals mehrere Stunden bis alle Lastwagenfahrer durch sind. Am Zoll müssen wir schon wieder jede einzelne Box aus dem Auto nehmen und zum X-Ray Scanner bringen. Dann gibt’s nochmals eine Autoinspektion, da durchstöbern zwei Beamte nochmals alle Fächer im Auto und wir müssen erneut ein paar Kisten auspacken, unsere Nerven sind am Ende. Doch es ist nicht vorbei, am letzten Checkpoint wollen sie noch  40 Dollar für die Hafengebühren, nun, da dreht „jemand“ fast durch. Es ist bereits 21.30 Uhr und wir haben den ganzen Tag nichts gegessen. Komplett entnervt zahlen wir und wollen einfach nur weg von hier. Was für ein Fehler. Ohne Geld und im Dunkeln einen Schlafplatz zu finden erweist sich als sehr, sehr schwierig. Mit viel Glück finden wir ein Restaurant, wo uns der nette Besitzer 20 Dollar wechselt, damit wir was Essen können. Doch es gibt weder Hotels noch finden wir in der Dunkelheit einen geeigneten Platz zum Schlafen. Um 1.30 Uhr ist Schluss, nachdem wir zweimal in eine Polizeikontrolle gekommen sind und sie uns erfolglos versucht haben eine Busse unterzujubeln, parkieren wir an der vielbefahrenen Strasse neben einem Café und legen uns endlich „schlafen“. Was freuen wir uns auf Tiflis, ein paar Tage pure Erholung, danach fahren wir nach Armenien, besuchen ein paar alte Klöster und Jerewan, bevor es wieder über Georgien in die Türkei geht.